beos in Hogwarts? – Nein, aber sie haben außergewöhnliche Hobbys

Daphné Pochhammer · 04. August 2017

Unsere Kollegin Apolline Tabourot hat im Juli an den Quidditch European Games in Oslo teilgenommen.

„Quidditch ist ein Vollkontaktsport, wird in 7er-Teams gespielt und vereint Elemente aus Handball, Rugby und Völkerball. So wie Fußballer nur mit den Füßen spielen dürfen – müssen Quidditch-Spieler auch ein „Handicap“ bewältigen: sie müssen während des gesamten Spiels einen Besen (aus Sicherheitsgründen meistens eine PVC-Stange) zwischen den Beinen halten.

Es gibt beim Quidditch 4 Positionen mit unterschiedlichen Rollen:

Jäger (ich bin selbst Jägerin) spielen sich den Quaffel (Volleyball) zu und versuchen, ihn durch einen der drei Ringe der gegnerischen Mannschaft zu werfen (10 Punkte locken). Die Ringe werden von Hütern verteidigt.

Zwei Treiber werfen mit Klatschern (Dodgebälle) auf gegnerische Spieler, um sie „auszuknocken“. Alle Spieler, die von einem Klatscher getroffen werden, müssen vom Besen absteigen und dürfen solange nicht mehr ins Spiel eingreifen, bis sie zurück zu den Ringen ihres eigenen Teams gelaufen sind und sie berührt haben.

Ziel der Sucher ist es, den Schnatz zu fangen. Der Schnatz ist ein unparteiischer Offizieller, der einen Tennisball in einer Socke am Hosenbund befestigt hat. Man kann sich dieses Teil des Spiels wie ein Wrestling-Kampf zwischen Sucher und Schnatz vorstellen. Wird der Schnatz gefangen, d.h. die Socke herausgezogen, endet das Spiel und der erfolgreiche Sucher gewinnt 30 Punkte für das Team.

Quidditch mag am Anfang kompliziert und komisch erscheinen, aber nach ein Paar Trainings hat man die Grundlagen verstanden und man wird schnell Teil einer sich rasant entwickelnden internationalen Community: es gibt in Deutschland bereits rund 40 Teams. Auf der ganzen Welt sind es über 400 Teams aus 25 verschiedenen Ländern (darunter Peru, Südkorea, Vietnam und Uganda)!

Im jährlichen Wechsel gibt es Weltmeisterschaften bzw. Europameisterschaften: dieses Jahr stand die zweitägige Europameisterschaft an, bei der 15 Teams gegeneinander angetreten sind. Großbritannien hat sich am Ende eines aufregenden Finales mit dem Sieg über Frankreich den ersten Platz gesichert. Deutschland erzielte den 5. Platz dank eines knappen Siegs über die Türkei mit 130 zu 120 Punkten!

So gnadenlos Quidditch-Spieler und -Spielerinnen auf dem Feld sind (was für mich am Ende dieses Wochenendes eine Gehirnerschütterung bedeutete), setzen sie sich im Alltag für Toleranz, Gleichberechtigung und Gemeinschaft ein.

Dies spiegelt sich zum Beispiel in den Regeln des Sports wider: Quidditch wird geschlechtsgemischt gespielt. Von den sieben Sportlern auf dem Feld dürfen sich maximal vier mit dem gleichen Geschlecht identifizieren. Auf diese Weise sind Menschen jedes Geschlechts, ob innerhalb oder außerhalb des binären Systems, eingeladen Quidditch zu spielen.

Die Internationalität und diese Welteinstellung sind genau das, was mir an dem Sport so gefällt. Als Quidditch-Spieler wird man Mitglied einer globalen Gemeinschaft, die sich stets dafür engagiert, durch Kulturaustausch und Weltoffenheit Fremde zu Freunden zu machen. Und das entspricht ja auch der Ausrichtung unseres Berufes!“

Daphné Pochhammer

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